Q & A

Questions & Answers

Q & A

Zu unseren aktuellen Projekten erreichen uns Fragen, die wir an dieser Stelle beantworten möchten. Sollten Sie darüber hinaus fragen haben, senden Sie uns diese gerne per E-Mail an

Wieso braucht es ein weiteres Kraftwerk?

Das geplante Motorenkraftwerk stellt eine hochflexible und bedarfsgerechte Erzeugungskapazität dar, die gezielt eingesetzt werden kann, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichend zur Verfügung stehen.

Durch seine modulare Struktur kann die Anlage kurzfristig auf Lastanforderungen reagieren und sowohl Mittel- als auch Spitzenlast abdecken. Sie erfüllt damit eine wichtige systemstabilisierende Funktion.

Darüber hinaus übernimmt die Anlage eine zentrale Rolle als Netzersatzanlage für unser neu am Standort gebautes Rechenzentrum. Die Absicherung kritischer Infrastrukturen erfordert eine zuverlässige Stromversorgung auch im Falle eines Netzausfalls.

Ohne das geplante Kraftwerk müsste diese Funktion durch Dieselaggregate gewährleistet werden. Im Vergleich dazu sind die Emissionen beim Motorenkraftwerk deutlich geringer – und es soll perspektivisch mit klimaneutralen Energieträgern betrieben werden.

Der Bau des Kraftwerks stellt somit eine umweltverträglichere und langfristig nachhaltigere Lösung dar.

Warum ein erdgasbetriebenes Kraftwerk?

KMW verfolgt das klare Ziel, am Standort entsprechend den derzeit geltenden gesetzlichen Vorgaben bis 2045 klimaneutral zu werden. Vor diesem Hintergrund planen wir die Anlage bewusst so, dass sie auf den Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet werden kann.

Die hochflexible Anlage kommt dann zum Einsatz, wenn erneuerbare Energien wetterbedingt nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Damit stellen wir die Versorgung im Fall einer Dunkelflaute oder eines Netzausfalls sicher und sorgen für die Notstromversorgung unseres Rechenzentrums auf der Ingelheimer Aue.

Die Notwendigkeit des Neubaus von Gaskraftwerken für die Versorgungssicherheit hat die vorherige als auch die aktuelle Bundesregierung immer betont, ebenso wie das Aus für die Kohleverstromung.

Im Genehmigungsantrag wurde das Kraftwerk nicht als wasserstofffähiges Kraftwerk beantragt. Warum nicht?

Durch eine Aufrüstung besteht die Möglichkeit, Kraftwerk 6 zur Nutzung von regenerativem und klimaneutralem Wasserstoff umzurüsten, sobald dieser Energieträger am Standort verfügbar ist. Der Einsatz von Wasserstoff ist nicht Bestandteil der vorliegenden Antragstellung gewesen, da er zu diesem Punkt noch nicht relevant für den Betrieb ist. Eine zusätzliche Beantragung erfolgt, sobald Wasserstoff am Standort verfügbar ist.

Gab es Alternativen zu einem gasbetriebenen Kraftwerk?

KMW hat diverse verfügbare Technologien geprüft und analysiert (z.B. Biomasse, Holzhackschnitzel, Laufwasserkraftwerke, Photovoltaik, Gasturbinen, Brennstoffzellen, Motoren) sowie regulatorische Entwicklungen berücksichtigt. Für den Bau eines H2-ready-Motorenkraftwerks hat KMW sich entschieden, weil es für den Bedarf des Unternehmens die ökologisch und ökonomisch beste Lösung ist.

Was unterscheidet Kraftwerk 6 von einem klassischen Gaskraftwerk?

Drei Dinge. Erstens: die Bauweise. Es sind zwölf einzelne Motoren à 4,5 Megawatt, nicht ein großer Block. Das macht die Anlage modular und im Betrieb sehr flexibel. Zweitens: die Fahrweise. Geplant sind zu Beginn rund 2.000 Betriebsstunden im Jahr, durchschnittlich knapp 6 Stunden am Tag (Tendenz abnehmend) – das ist Flexibilität, keine Grundlast. Drittens: die H₂-Fähigkeit. Die Motoren sind von Tag eins für den Wasserstoffbetrieb ausgelegt – mit zunehmender Verfügbarkeit sinken die Emissionen Richtung null.

Im Genehmigungsantrag steht, dass Kraftwerk 6 für Grund-, Mittel- und Spitzenlast ausgelegt ist. Wie passt das zu Ihrer Aussage, es sei Notstrom?

Die Formulierung im Genehmigungsantrag beschreibt den zulässigen Betriebsrahmen – also was die Anlage genehmigt darf, falls sie es muss. Die geplante Betriebsweise ist eine andere: Wir setzen das Kraftwerk für die Netzstabilität ein und primär für die Notstromversorgung des Rechenzentrums. Insgesamt gehen wir von einer Laufzeit von anfangs rund 2.000 Stunden im Jahr aus (Tendenz abnehmend). Wir beantragen den vollen Rahmen, damit wir auf alle drei Funktionen rechtssicher zugreifen können – wir nutzen ihn nicht voll aus. Daneben wird das Kraftwerk im Rahmen des Redispatch vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion zur Netzstabilisierung eingesetzt.

„Was sagen Sie Aktivisten, die behaupten, das Kraftwerk verursache 73 Millionen Euro Klimafolgeschäden?“

Wir nehmen jede Kalkulation ernst und rechnen sie mit unseren tatsächlichen Betriebsstunden und Emissionsdaten gegen. Solche Modellrechnungen hängen stark von den verwendeten Schadenskostensätzen und Betriebsannahmen ab. Was wir mit Sicherheit sagen können: Eine Anlage, die mit zunehmender H₂-Verfügbarkeit Richtung null CO2-Emissionen geht und nur einen Bruchteil ihrer maximalen Stunden läuft, hat ein anderes Klimaprofil als ein Dauerläufer auf Erdgas.

Warum wurde die Anhörung für KW6 bei der SGD Süd abgesagt?

Die Öffentlichkeitsbeteiligung ist Teil des Genehmigungsverfahrens und wird von der  Genehmigungsbehörde (SGD Süd) gesteuert. Die Behörde hat entschieden, dass die Einwendungen hinreichend begründet und konkret sind, und deshalb keiner weiteren Erörterung bedürften. Hierauf haben wir keinen Einfluss.

Warum keine Batterie für den Notstrom? Die Kosten sind doch dramatisch gesunken.

Eine sehr gute Frage – und wir bauen ja selbst Batteriespeicher. 22 Megawatt, 60 Megawattstunden, hier am Standort. Aber ein Batteriespeicher ist ein Stundenspeicher, kein Wochenspeicher. Für eine 48-Stunden-Notstromversorgung eines Rechenzentrums dieser Größenklasse bräuchten wir ca. 2 Gigawattstunden allein für die Anlage. Bei längeren Stromausfällen wäre die Batterie leer.

Wann genau wird auf Wasserstoff umgestellt?

Das neue Motorenkraftwerk ist mit einer Umrüstung H₂-fähig ausgelegt. Die tatsächliche Umstellung hängt von drei Faktoren ab, die nicht in unserem Einflussbereich liegen: dem Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland, dem Ausbau des Wasserstoffnetzes und der Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen. Wir gehen davon aus, dass Beimischung ab den 2030er Jahren möglich wird und die vollständige Umstellung schrittweise erfolgt.

Was, wenn grüner Wasserstoff nie wirtschaftlich verfügbar wird?

Die Auslegung als „H₂-ready“ – nicht „H₂-only“ – ist genau die Absicherung gegen dieses Szenario. Falls grüner Wasserstoff langsamer kommt als heute geplant, läuft die Anlage länger auf Erdgas – aber mit geringer Auslastung, in geringer Volllaststundenzahl, und in einem System, in dem unsere Erlöse zunehmend aus erneuerbarer Erzeugung, Speicherung und Systemdienstleistungen kommen.

Woher kommt der Strom für das Rechenzentrum? Wer garantiert, dass es nicht Atom- oder Kohlestrom ist?

Das Rechenzentrum kann mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden, abgesichert durch Herkunftsnachweise. Unser Partner Green Mountain bringt Erfahrung aus Norwegen mit, wo Rechenzentren standardmäßig auf 100 Prozent erneuerbarer Versorgung laufen. Die genauen Bezugsquellen werden im Rahmen des Betriebsstarts vertraglich fixiert.

Sie holen ein riesiges Rechenzentrum nach Mainz. Ist das verantwortbar in Zeiten des Klimawandels?

Die Rechenleistung wird gebaut – die Frage ist nur, wo. Wenn sie woanders gebaut wird, wird sie mit Luftkühlung gekühlt und ihre Abwärme geht verloren. In Mainz wird die Abwärme ökologisch bestmöglich genutzt (Fernwärmeauskopplung) bzw. gekühlt (Rheinwasserkühlung). Dadurch und durch viele weitere Maßnahmen ist unser Rechenzentrum deutlich ökologischer als viele andere Rechenzentren.

Wie wird das Rechenzentrum gekühlt – und was passiert bei heißen Sommern?

In drei Stufen. Erste Priorität: Abwärmenutzung über die Wärmepumpe ins Fernwärmenetz. Zweite Priorität: Rheinwasserkühlung mit Genehmigung der SGD Süd und einer maximal zulässigen Wassertemperatur von 28 Grad. Dritte Priorität, falls die ersten beiden nicht ausreichen: klassische Kompressionskühlung über das Dach. Diese Kaskade ist effizient und genehmigungsrechtlich abgesichert.

Wer ist der Großkunde, der das gesamte Rechenzentrum bucht?

Die Identität des Hauptkunden ist Teil unserer vertraglichen Vereinbarungen und unterliegt der Vertraulichkeit. Es handelt sich um einen internationalen Kunden mit hohen Anforderungen an Sicherheit, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit. Genau diese Anforderungen sind der Grund, warum die Wahl auf Mainz gefallen ist.

Was passiert, wenn der Großkunde abspringt? Wer braucht dann das Kraftwerk?

Die Notstromfunktion wäre auch bei einer Neuvermietung an einen anderen Großkunden erforderlich – die normativen Anforderungen an die Ausfallsicherheit dieser Rechenzentrumsklasse sind unabhängig vom Mieter. Darüber hinaus ist Kraftwerk 6 in die KMW-Gesamtstrategie eingebettet: Es hat eine eigenständige Funktion als Stabilitätsbeitrag für das deutsche Stromnetz, auch ohne Bezug zum Rechenzentrum.

Das Rechenzentrum erwärmt das Fernwärmenetz – wird die Mainzer Neustadt durch die Abwärme heißer?

Die Abwärme wird in das geschlossene Fernwärmenetz eingespeist. Sie wird zur Beheizung von Gebäuden genutzt – also dort, wo Wärme ohnehin gebraucht wird. Der mikroklimatische Effekt im Stadtgebiet ist sogar neutral bis positiv, weil wir Wärme nutzen.

Wie viele Menschen werden voraussichtlich für das Rechenzentrum arbeiten?

Auch wenn man vor Ort nicht vielen Menschen begegnen wird, sorgen im Hintergrund zahlreiche Fachkräfte für den reibungslosen Betrieb: Green Rocks stellt pro Gebäude ein Team im Schichtbetrieb, zwei Facility Manager, Kundenbetreuer und Koordinatoren. Mitarbeitende der KMW verantworten Stromversorgung, Großwärmepumpe und Notstrombereitschaft – rund um die Uhr. Hinzu kommen die Techniker der Mieter, die ihre Server selbst warten und pflegen. Und auch Sicherheitspersonal ist rund um die Uhr vor Ort und sorgt dafür, dass nur berechtigte Personen Zugang zum Gelände und zu den sensiblen Bereichen erhalten.

Mainz will 2035 klimaneutral sein. Wie passt das mit den Zielen von KMW zusammen?

Die Stadt Mainz und das Unternehmen KMW haben unterschiedliche Bezugsrahmen. Mainz misst die Emissionen auf seinem Stadtgebiet – also das, was die Stadt durch eigenes Handeln beeinflussen kann: Verkehr, Gebäude, kommunale Liegenschaften. KMW speist Strom in das deutsche Verbundnetz und ist an die bundesweite Dekarbonisierungsgeschwindigkeit gebunden – an den H₂-Hochlauf, an den Netzausbau, an die Marktverfügbarkeit von Speichern. Beides muss zusammenspielen, und genau daran arbeiten wir.

Wie hoch waren die CO₂-Emissionen der KMW 1990, und wie hoch sind sie heute?

Seit 1990 haben wir unsere CO₂-Emissionen um rund 75% Prozent reduziert. 1990 lagen wir bei rund 2.9 Millionen Tonnen jährlich, heute sind es rund 740.000 Tonnen. Diese Reduktion ist das Ergebnis des Kohleausstiegs, die Modernisierung der Gas-Anlagen und die sinkende Betriebsstundenzahl.

Wie viel investiert KMW in Erneuerbare im Vergleich zu Gas?

Wir investieren parallel in beide Pfade. Als KMW und mit ALTUS renewables haben wir aktuell rund 150 Megawatt erneuerbare Erzeugung im Bestand und im Bau. Wir investieren in den Batteriespeicher hier am Standort. Wir investieren in die Großwärmepumpe für Green Rocks. Und wir sind Gründungspartner des regionalen Wasserstoffnetzes Rh₂ein-Main Connect. Die Investitionen in Erneuerbare und Flexibilität übersteigen schon heute unsere Investitionen in fossile Erzeugung deutlich.