Bild: u.a. Aufsichtsratsmitglieder Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase, Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und KMW-Vorstände Stephan Krome und Oliver Malerius zusammen mit Markus Blüm, Geschäftsführer der Rechenzentrumsgesellschaft

 

Kurz vor der Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts öffnete das Rechenzentrum „Green Rocks“ auf der Ingelheimer Aue seine Türen für Medienvertreter. Die KMW gibt damit Einblick in eines der derzeit zentralen Infrastrukturprojekte der Region, an der Schnittstelle von Digitalisierung und Energieversorgung.

Das Rechenzentrum wird planmäßig bis 2028 vollständig fertiggestellt. Der erste Bauabschnitt geht Ende 2026 in Betrieb. Mit einer Gesamtleistung von bis zu 80 Megawatt und 54 Megawatt reine IT-Leistung stellt Green Rocks eine hochleistungsfähige Infrastruktur für Daten-Server bereit. Die Stromversorgung soll aus dem deutschen Stromnetz mit Herkunftsnachweis aus erneuerbaren Energien erfolgen. Das Areal selbst ist eine sanierte Industriefläche.

Das Rechenzentrum umfasst insgesamt bis zu 18.000 Quadratmeter vorbereitete IT-Fläche („White Space“) und ist vollständig vermietet.

„Rechenzentren sind eine Grundvoraussetzung für digitale Infrastruktur. Mit Green Rocks stellt KMW nicht nur den Erzeugungsstandort Mainz-Wiesbaden breiter auf, sondern liefert ein nachhaltiges Konzept für den Betrieb, der als Vorreiter für die Branche gilt“, sagt Oliver Malerius, Vorstand der KMW.

Wärme für Mainz: Wie die Wärme der Server genutzt wird

Für die Stadt Mainz entsteht ein konkreter Mehrwert: Die Wärme des Rechenzentrums wird über eine Großwärmepumpe in das Fernwärmenetz eingespeist und kann perspektivisch bis zu 20.000 Haushalte versorgen.

„Das ist eine sehr gute Nachricht für Mainz. Wir bekommen ein Rechenzentrum, das unsere Stadt im internationalen Wettbewerb stärkt. Zugleich können wir die Abwärme sinnvoll nutzen, indem wir sie in unser Fernwärmenetz einspeisen. Damit ist Mainz Vorreiter. So muss Stadtentwicklung heute aussehen: wirtschaftlich stark, technologisch modern und ökologisch vorbildlich“, so Nino Haase, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Mainz und Aufsichtsratsvorsitzender der KMW.

Gekühlt wird das Rechenzentrum primär über diese Wärmeauskopplung, sekundär über Rheinwasser und nur in dritter Priorität über klassische Kompressionskälte. Das entnommene Rheinwasser wird ausschließlich mit Genehmigung der SGD Süd wieder in den Rhein zurückgeführt.

Notstromversorgung: Warum zusätzliche Infrastruktur notwendig ist

Rechenzentren dieser Größe benötigen eine gesicherte Notstromversorgung. Branchenüblich sind normalerweise Dieselaggregate, auf die KMW verzichten möchte.

Der Energieversorger hat dafür eine nachhaltigere Lösung: Die Notstromversorgung übernehmen zwei effiziente Kraftwerke am Standort. Das bestehende Blockheizkraftwerk (100 MWel) aus dem Baujahr 2020 ist bereits zum Notstrombetrieb umgerüstet und liefert neben der regulären Stromversorgung bis zu 40 Megawatt Notstrom. Das geplante Motorenkraftwerk (54 MWel) wird ebenfalls weitere 40 Megawatt Notstrom bereitstellen.

Diese Lösung ersetzt rund 21 Dieselaggregate, die für ein Rechenzentrum dieser Größenordnung üblicherweise erforderlich wären. Dadurch werden Emissionen deutlich reduziert, zugleich entfallen die sonst notwendigen regelmäßigen Testläufe, die allein einen erheblichen CO₂-Ausstoß verursachen.

„Nur im Falle eines Stromausfalls werden wir diese Anlagen für Notstrom benötigen. Deshalb nutzen wir sie zusätzlich zur Stromerzeugung. Der Betrieb erübrigt die Testläufe, die sonst für eine gesicherte Notstromversorgung nötig wären. Das macht unser Konzept so nachhaltig im Vergleich zu Dieselgeneratoren“, sagt Oliver Malerius, Vorstand der KMW.

Intelligente Stromversorgung am Standort

Das neue Motorenkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 54 MW wird also nicht ausschließlich als Notstromreserve vorgehalten. Es wird durchschnittlich anfangs etwa 2.000 Stunden im Jahr Strom in das deutsche Verbundnetz einspeisen (Tendenz sinkend). Das geschieht in der Regel dann, wenn Erneuerbare Energiequellen nicht ausreichend Strom liefern.

Dieses Kraftwerk erfüllt damit drei Funktionen gleichzeitig:

  • Im seltenen Fall eines Stromausfalls muss das Kraftwerk in kurzer Zeit für das Rechenzentrum zur Verfügung stehen
  • Bei zu wenig Sonnen- und Windenergie kann das Kraftwerk den Strombedarf ausgleichen
  • Das Kraftwerk kann am deutschen Strommarkt vermarktet werden, selbst wenn es lediglich betriebsbereit gehalten wird (hiermit ist der Regelenergiemarkt gemeint)

Die geplante tatsächliche Nutzung entspricht etwa 23 Prozent der Jahresstunden. Es handelt sich somit nicht um ein dauerhaft laufendes Grundlastkraftwerk. Mit steigendem Anteil erneuerbarer Erzeugung im Netz nimmt der Bedarf des Kraftwerks perspektivisch ab. Die im Genehmigungsverfahren beantragte „Grund-, Mittel- und Spitzenlast“ beschreibt den rechtlichen Spielraum, nicht die Betriebsplanung.

Das geplante Kraftwerk wird als hochflexible, modulare Anlage mit einer elektrischen Leistung von rund 54 Megawatt ausgeführt und basiert auf zwölf Gasmotoren, die je nach Bedarf einzeln zu- oder abgeschaltet werden können.

Die Anlage ist so konzipiert, dass sie perspektivisch auf den Betrieb mit Wasserstoff umgestellt werden kann. Im Genehmigungsverfahren wurde die Umstellung auf Wasserstoff angekündigt, aber noch nicht beantragt. Der konkrete Zeitpunkt eines Umstiegs hängt von externen Faktoren ab, insbesondere vom Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft sowie vom Ausbau der notwendigen Infrastruktur und Verfügbarkeit entsprechender Energiemengen.

„Wir bauen das neue Motorenkraftwerk so, dass es sich mit der Energiewende mitentwickelt. Zwölf einzelne Motoren bedeuten, dass wir nicht ein Kraftwerk in Betrieb haben, sondern zwölf Module, die einzeln gefahren, gewartet und perspektivisch umgestellt werden können. Diese Modularität ist der wesentliche technische Unterschied zu einem klassischen Gaskraftwerk“, erklärt Stephan Krome, Vorstand der KMW.

Zusätzliche Kapazität mit Batteriespeicher

Strategisch diversifiziert KMW seinen Energiepark und investiert parallel in einen Batteriespeicher am Standort mit einer Leistung von 22 Megawatt und einer Speicherkapazität von 60 Megawattstunden.

Batteriespeicher können kurzfristige Schwankungen im Stromnetz ausgleichen und sind somit ein wichtiger Bestandteil moderner Energiesysteme. Ihre Funktionsweise ist systembedingt auf kurze Zeiträume begrenzt und ideal für kurzfristige Spitzenlastausgleiche ausgelegt.

Für die Anforderungen einer zeitlichen unbegrenzten Notstromversorgung eines Rechenzentrums können Batterien keine ausreichende Versorgung gewährleisten, denn sie liefern nur begrenzt Strom. Für eine 2-tägige Notstromversorgung des Rechenzentrums müsste eine Gesamtfläche von 30.000 Quadratmetern zur Verfügung stehen – das entspricht mehr als 4 FIFA-Fußballfeldern.

„Die KMW investiert konsequent in eine Energieversorgung, die wirtschaftlich tragfähig und technologisch vielseitig ist. Erneuerbare, Speicher, flexible Erzeugung, Wärmenutzung – das sind die Bausteine, die Mainz und Wiesbaden gemeinsam stark machen. Wir profitieren als Gesellschafter und als Region davon, dass hier nicht auf eine einzige Lösung gesetzt wird, sondern auf das kluge Zusammenspiel neuer Technologien“, betont Gert-Uwe Mende, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender.

Einordnung im Energiesystem

Die Kraftwerksanlagen der KMW sind Teil des deutschen Stromsystems und unterliegen den entsprechenden gesetzlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Der erzeugte Strom wird in das überregionale Netz eingespeist.

Die Versorgung erfolgt damit nicht lokal isoliert, sondern im Rahmen eines vernetzten Energiesystems. Die direkte Verbindung zur Stadt Mainz besteht vor allem über die Nutzung der Wärme der Kraftwerke und zukünftig des Rechenzentrums für die Fernwärmeversorgung.

Das geplante Zukunftskraftwerk ist derzeit pausiert. Grund dafür sind die noch laufenden politischen Abstimmungsprozesse auf Bundesebene.