26.04.2017 13:38

Baustart für Blockheizkraftwerk der KMW AG

Die Bauarbeiten für das neue Blockheizkraftwerk der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG auf der Ingelheimer Aue sind offiziell gestartet. Im Rahmen einer Feierstunde mit rund 100 geladenen Gästen erfolgte heute Vormittag der symbolische erste Spatenstich auf dem Kraftwerksgelände. Die  Oberbürgermeister von Wiesbaden und Mainz, Sven Gerich und Michael Ebling, bezeichneten den Bau des gut 100 Millionen Euro teuren Projekts als wichtiges Signal im Rahmen der Energiewende. Und auch die KMW-Vorstände Dr. Lars Eigenmann, Jörg Höhler und Stephan Krome sehen in dem   geplanten Ausbau des Kraftwerkstandorts Ingelheimer Aue zu einer Wärmeplattform für die Region  einen wichtigen Baustein für die Zukunft des kommunalen Energieerzeugers KMW AG.

Hintergrund der Überlegungen zum Bau eines Blockheizkraftwerks ist die Situation auf dem deutschen Energiemarkt, von dem auch das bestehende moderne Gaskraftwerk der KMW seit einiger Zeit betroffen ist, berichtete der KMW-Aufsichtsratsvorsitzende Gerich. Durch den massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Verfall der Strompreise an der Börse sowie der gesunkenen Preise für CO2-Zertifikate sind die Einsatzzeiten der deutschen Gaskraftwerke bereits deutlich gesunken. Und sie werden weiter sinken. Der Wiesbadener Oberbürgermeister hält dies für ein Problem, das die Bundespolitik nach der Bundestagswahl im Herbst 2017 angehen muss: „Es macht keinen Sinn, wenn alte Kohlekraftwerke weiterhin Strom produzieren und gleichzeitig moderne hocheffiziente Gaskraftwerke wie das in Mainz immer häufiger still stehen. Da stimmen die Rahmenbedingungen nicht. Wenn wir wollen, dass die Energiewende gelingt, benötigen wir Gaskraftwerke mit umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung.“

„Das bestehende mit Erdgas betriebene Gas- und Dampfturbinenkraftwerk der KMW hat bis 2013 mehr als 90 Prozent der gesamten Fernwärmeversorgung der Stadt getragen“, macht der Mainzer Oberbürgermeister und stellvertretende KMW-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Ebling deutlich. Bei der Stromproduktion auf der Ingelheimer Aue wurde die dabei anfallende Wärme genutzt und über ein 70 Kilometer langes Leitungsnetz in Mainz verteilt – unter anderem werden der Dom, die Universität, die Uniklinik oder die Rasenheizung in der Opel-Arena seit vielen Jahren mit Fernwärme versorgt. Die Fernwärme spielt bei der Wärmeerzeugung in Mainz eine Hauptrolle: Die gelieferte Fernwärmemenge entspricht umgerechnet dem Verbrauch von 40.000 Haushalten. „Das bestehende GuD-Kraftwerk kann aber nur dann wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden, wenn sich die Einsatzzeiten des Kraftwerks in erster Linie nach den Strompreisen richtet und nicht nach der Notwendigkeit der Fernwärmeversorgung“, erläutert der KMW-Vorstandsvorsitzende Dr. Lars Eigenmann. Die Fernwärmeversorgung muss aber insbesondere im Winter rund um die Uhr gesichert sein. Hier setzt das neue Blockheizkraftwerk an, in dem ab Ende 2018 mehrere Gasmotoren aus dem Brennstoff Erdgas Strom und Wärme erzeugen. Die durch den zusätzlich geplanten Fernwärmespeicher entkoppelte Bereitstellung von Wärme und Strom dient somit der Stabilisierung und dem Ausbau der Mainzer Fernwärmeversorgung.


Das Blockheizkraftwerk wird zehn Motoren umfassen – jeder dieser Motoren kann bis zu 10 Megawatt (MW) elektrisch und knapp 9 Megawatt thermisch erzeugen. Macht zusammen 100 MW elektrisch und rund 90 MW thermische Leistung. Zum Vergleich: Das bestehende GuD-Kraftwerk hat eine Leistung von mehr als 400 MW. Vorteile des neuen Blockheizkraftwerks: Es nutzt mit über 85 Prozent die Energie des Brennstoffes Erdgas sehr effizient aus. KMW-Vorstand Jörg Höhler sieht einen weiteren Vorteil der neuen Anlage: „Die Motoren können zudem wesentlich schneller an- und abgefahren werden, das geht innerhalb von zwei Minuten.“ Das Blockheizkraftwerk benötigt bei gleicher Fernwärmeerzeugung weniger Brennstoffeinsatz und schont damit die Umwelt. „Die schalltechnische Auslegung des Blockheizkraftwerkes würde so erfolgen, dass die Anlage die schalltechnischen Anforderungen deutlich unterschreitet und in der Nachbarschaft nicht wahrnehmbar sein wird“, versichert KMW-Vorstand Stephan Krome.
Das neue Blockheizkraftwerk wird von dem finnischen Unternehmen Wärtsilä Energy Solutions  errichtet. Kari Hietanen, Executive Vice President, Corporate Relations & Legal: „Wir freuen uns sehr darüber, zusammen mit der KMW AG mit dem neuen BHKW zum Gelingen der Energiewende in Deutschland beizutragen. Dieses Projekt ist ein Meilenstein für Wärtsilä in Deutschland – einer der führenden Märkte in der Erzeugung und Integration von erneuerbaren Energien. Wir haben viel Erfahrung in der intelligenten und flexiblen Strom- und Wärmeerzeugung. Unsere hochflexiblen „Smart Power Generation“ Lösungen sind ideal geeignet, die Schwankungen der erneuerbaren Energien auszugleichen und damit deren erfolgreiche Integration in den gesamten Energiemix zu gewährleisten.

Zusätzlich zu einem neuen Blockheizkraftwerk hat die KMW AG den Neubau eines Wärmespeichers auf dem Kraftwerksgelände beschlossen. Dabei handelt es sich um eine Anlage, in der die bei der Stromerzeugung anfallende Wärme genutzt wird, um Wasser in mehreren großen gedämmten Spezialbehältern zu erwärmen. Das heiße Wasser kann in derartigen Anlagen über Stunden und Tage gespeichert und später gezielt ins Fernwärmenetz abgegeben werden, wenn sie benötigt wird. Dadurch würde die Stromerzeugung im GuD-Kraftwerk oder im Blockheizkraftwerk zeitlich weiter vom Fernwärmebedarf entkoppelt.´

 Hintergrund

Das ist Wärtsilä Energy Solutions Wärtsilä Energy Solutions gehört zu den weltweit führenden Anbietern von hoch-flexiblen Motorenkraftwerken von bis zu 600 MW, die mit verschiedenen gasförmigen und flüssigen Brennstoffen betrieben werden können. Unser Angebot umfasst Lösungen für die Spitzenlast, Reserveleistung, Kraft-Wärme-Kopplung zur Erzeugung von Fernwärme und den Lastfolgebetrieb für regenerative Energien sowie für die intermittierende Stromerzeugung. Darüber hinaus bietet Wärtsilä Energy Solutions Lösungen für Solare großflächige PV-Anlagen und Hybridkraftwerke sowie Flüssiggas wie z.B. LNG-Terminals und Distributionssysteme. Mit Stand 2016 verzeichnet Wärtsilä eine installierte Kraftwerkskapazität von insgesamt 60 GW in 176 Ländern. www.smartpowergeneration.com