Diese Fassung ist vom 23.03.2022. Wir aktualisieren den Beitrag regelmäßig, um Sie auf dem neuesten Stand zu halten.
Der Beitrag wurde zuletzt am 19.04.2022 aktualisiert.

 

Der Angriff auf die Ukraine ist ein Angriff auf die Demokratie. Er bestürzt uns alle zutiefst und ist durch nichts zu rechtfertigen. Die Auswirkungen des Krieges betreffen uns alle. Speziell für uns als Energieerzeuger spielt die Frage nach den wirtschaftlichen Konsequenzen eine große Rolle. Dadurch ist auch unser Kerngeschäft aufgrund der Abhängigkeit von Gas unmittelbar betroffen. Wir beobachten die Situation und bewerten kontinuierlich die Auswirkungen auf unsere Energieerzeugung. Das wichtigste für die Bevölkerung in der Ukraine und uns alle ist, dass schnell eine Lösung für Konflikt gefunden wird.

Wie helfen wir flüchtenden Menschen, die vom Krieg in der Ukraine betroffen sind?

Europa rückt zusammen und die Unterstützung ist enorm. Auch wir helfen in Not geratenen Menschen. Wir spenden Feldbetten für regionale Flüchtlingsunterkünfte und unterstützen dabei, Kleidung und Hilfsmittel für die Ukraine zu sammeln.

Wie beurteilen wir die aktuelle Energieversorgung in Deutschland?

KMW ist als großer Energieerzeuger auf die Verfügbarkeit von Gas angewiesen. Deutschland verfügt über die höchste Zahl an Gasspeichern in Europa und ist Teil des europäischen Gas-Verbundnetz. Nach jetziger Einschätzung sind weder Sanktionen auf russische Gasimporte geplant, noch hat Russland seine Gaslieferungen nach Europa eingestellt. Aber auch auf diesen Fall bereitet sich die deutsche Energiewirtschaft – und wir – vor.

Wie gehen wir mit der aktuellen Situation in Deutschland um?

KMW hat die interne Arbeitsgruppe „Ukraine-Krise“ ins Leben gerufen, bestehend aus Vertretern unterschiedlicher Bereiche und Abteilungen. Diese Gruppe befasst sich mit den möglichen Auswirkungen des Krieges in der Ukraine für KMW. Die Mitarbeitenden treffen sich ab jetzt regelmäßig, um alle Szenarien im Blick zu haben und um als KMW handlungsfähig zu bleiben.

Wie lange können unsere Gaskraftwerke noch Strom erzeugen?

Unsere Kraftwerke sind systemrelevant und benötigen für ihren Betrieb den Primärenergieträger Gas – zuverlässig und bedingungslos. Aktuell haben die Gaspreise ein Rekordhoch erreicht – dank unseres Energiemanagements haben wir jedoch bereits mehr als die Hälfte unseres Jahresbedarfs zu moderaten Preisen eingekauft und uns erstmalig auch für die folgenden Jahre bereits teilweise eingedeckt.

Die Gasflüsse nach Europa sind stabil, die Gasspeicher noch mit circa 30 Prozent gefüllt (Stand Mitte April 2022). Das Ende der Heizperiode steht an und der Bedarf sinkt. Damit befinden wir uns in einer üblichen Situation für das Frühjahr und das Angebot reicht aus, die Nachfrage zu decken. Wie es weitergeht, ist heute kaum absehbar. Unser Team arbeitet fachlich fundiert an einer Lösung, die unsere Energieversorgung für die Zukunft resilienter macht.

Gibt es einen Notfallplan?

Noch stehen wir in Deutschland nicht vor einem akuten Notfall. Der Notfallplan Gas wurde vom Bundewirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit der Gaswirtschaft und der Bundesnetzagentur erstellt. Dieser regelt das Vorgehen bei Versorgungsunterbrechungen und -ausfällen. Haushalte, soziale Einrichtungen und kritische Infrastruktur sind durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt. Auch würden vertraglich geregelte Abschaltvereinbarungen mit der Industrie oder der Wechsel auf andere Energieträger die Nachfrage nach Gas drosseln.

Das BMWK hat am 30.03. die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen, weil sich die Gasversorgungslage verschlechtern könnte. Diese Einschätzung kommt auch aufgrund der Forderung Putins zustande, Zahlung für Gasimporte nur noch in Rubel zu akzeptieren. Mit der Frühwarnstufe wurde ein Krisenstab beim BMWK installiert und es können marktbasierte Maßnahme zur Sicherung der Versorgung umgesetzt werden.

Wir stehen im ständigen Austausch mit unseren Muttergesellschaften, die Mainzer Stadtwerke (MSW) und ESWE in Wiesbaden sowie Verbänden und Netzwerken, um geschlossen auf zukünftige Herausforderungen reagieren zu können.

Tagesaktuelle Daten zu den Gasspeicherfüllständen in Europa finden Sie hier: https://agsi.gie.eu/#/

Woher bezieht KMW sein Gas?

Wir kaufen unser Gas bei deutschen Handelspartnern. Das Gas stammt aus verschiedenen Ländern wie Russland, den Niederlanden oder Norwegen. In der Gasimport-Infrastruktur gibt es kaum Alternativen. Bedingt besteht die Möglichkeit, zusätzliche Flüssiggas-Mengen von LNG-Anbietern aus Katar oder den USA zu beziehen.

Als Land werden wir an Gas als Interimslösung in den nächsten Jahren als Unterstützung der Energiewende nicht herumkommen. Ziel muss es sein, die Quellen zu diversifizieren und die Abhängigkeit von Russland zu verringern. Langfristig ist die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern durch den Einsatz erneuerbare Gase und der Ausbau der Erneuerbaren notwendig. Deutschland ist Teil eines europäischen Gas-Versorgungsystems, in dem sich die EU-Staaten gegenseitig unterstützen.

Wie wirkt sich der Krieg in der Ukraine auf die Energiepreise aus?

Energiepreise sind von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Daher können wir zur Entwicklung der Preise keine Prognosen abgeben. Aber natürlich ist der Krieg in der Ukraine, insbesondere dann, wenn hierdurch weniger Gas aus Russland geliefert würde, ein Faktor, der den Gaspreis beeinflusst und erhöhen dürfte.

Wie geht es weiter?

Wir bewerten die Konsequenzen des Kriegs in der Ukraine für die Energieerzeugung zwar als äußerst ernst, aufgrund der sich permanent ändernden Lage ist es allerdings momentan unmöglich, zuverlässige Langzeitprognosen zu wagen. Wir beobachten die Situation deshalb laufend, entwickeln und analysieren verschiedene Szenarien.